Forderungen für einen real zugänglichen Zweiten Bildungsweg in
Schleswig-Holstein
Aus Sicht der Unterzeichnenden bestehen erhebliche Zugangshürden für Erwachsene,
die einen Schulabschluss nachholen möchten. Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht
nur, formale Angebote vorzuhalten – sie erfordert tatsächlich erreichbare
Bildungswege.
Unsere Forderungen
1. Flächendeckende Abendangebote für Erwachsene an Berufsschulen und
regionalen Berufsbildungszentren
In allen Regionen Schleswig-Holsteins müssen wohnortnahe Angebote zum Erwerb
des Ersten allgemeinen Schulabschlusses (ESA) und des Mittleren Schulabschlusses
(MSA) geschaffen werden. Hierfür sollen bestehende Strukturen der Berufsschulen
und Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ) genutzt werden. Abendangebote
müssen ausdrücklich für Erwachsene geöffnet und verbindlich vorgehalten werden –
unabhängig von verfügbaren Restplätzen.
2. Kostenfreier Erwerb von ESA und MSA im Zweiten Bildungsweg
Während das Abendgymnasium kostenfrei zum Abitur führt, sind Erwachsene beim
Nachholen von ESA und MSA häufig mit erheblichen Gebühren konfrontiert. Die
Finanzierung über Bildungsgutscheine oder Förderprogramme stellt keine
ausreichende Lösung dar, da diese Instrumente an individuelle Voraussetzungen
gebunden sind und vielen Betroffenen nicht offenstehen. Auch BAföG-Leistungen sind
nicht für alle Lernenden des Zweiten Bildungsweges zugänglich.
Wir fordern einen grundsätzlich kostenfreien Zugang zum Erwerb
aller allgemeinbildenden Schulabschlüsse im Zweiten Bildungsweg.
3. Gesetzliche Öffnung berufsbildender Angebote für Erwachsene
Erwachsene dürfen nicht länger nur nachrangig berücksichtigt werden. Wir fordern
eine rechtliche Grundlage, die Erwachsenen den Zugang zu geeigneten
Bildungsgängen an Berufsschulen und RBZ verbindlich garantiert. Dazu gehört
insbesondere die Öffnung bestehender AVSH- und AVSH-Flex-Strukturen für
Abendangebote.
4. Berufsschulrecht bis zum 21. Lebensjahr
Junge Menschen dürfen nach dem Ende der allgemeinbildenden Schulzeit nicht durch
gesetzliche Altersgrenzen aus Bildungswegen ausgeschlossen werden. Wir
unterstützen die Einführung eines gesetzlich verankerten Berufsschulrechts bis zum
vollendeten 21. Lebensjahr.
5. Erwachsenengerechte Bildungsangebote mit Präsenzunterricht als Regelformat
Erfahrungen aus Abendgymnasien und berufsbildenden Schulen zeigen, dass
Präsenzunterricht für Erwachsene der Regelfall sein sollte. Digitale Angebote können
ergänzen, stellen jedoch keinen gleichwertigen Ersatz dar. Wir fordern den Ausbau
erwachsenengerechter Präsenzangebote mit digitalen Unterstützungsmöglichkeiten –
nicht jedoch eine Verlagerung des Zweiten Bildungsweges in überwiegend digitale
oder asynchrone Formate.
Unser Ziel
Kein Erwachsener in Schleswig-Holstein soll aufgrund seines Alters, seines
Wohnortes, seiner Erwerbstätigkeit, seiner Familienverhältnisse oder seiner
finanziellen Situation vom Nachholen eines Schulabschlusses ausgeschlossen sein.
Gez:
Nadine Petersen
(Initiative Allgemeine Abendschule SH)
Katharina Janßen
(Initiative Allgemeine Abendschule SH/
Abendgymnasiums Flensburg)
Jana Lemke
(Sprecherin LAG Bildung/ Co-Landesvorsitzende in SH Die Linke)
Martin Habersaat
(MdL und bildungspolitischer Sprecher
der SPD-Landtagsfraktion)
Johann Knigge-Blietschau
(Co-Vorsitzender Gemeinnützige
Gesellschaft Gesamtschule SH (GGG)
e.V. – Gemeinschaftsschulverband)
Kerstin Quellmann
(Co-Landesvorsitzende der GEW SH)
Fabian Reichardt
(Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
für Bildung der SPD in SH)
Jannes Hagemeier
(Landesschüler*innensprecher der
Berufsbildenden Schulen in SH)

