LSVen stellen gemeinsamen Forderungskatalog vor

Am 21.09.2026 stellten die LSVen der berufsbildenden Schulen, der Gymnasien und der Gemeinschaftsschulen gemeinsam in einer Pressekonferenz ihren Forderungskatalog vor. Diesen findet ihr hier zum Download und in Schriftform.

LANDESSCHÜLER:INNENVERTRETUNGEN IN SCHLESWIG-HOLSTEIN
Berufsbildende Schulen · Gemeinschaftsschulen · Gymnasien

FORDERUNGSKATALOG

Forderungspapier Landtagswahlen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bildung steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt es der Schule, junge Menschen für das Lernen zu gewinnen, oder sie verliert sie an eine Welt, die sich schneller wandelt als der Lehrplan. Das ist die Frage, die uns als Schüler:innen mehr umtreibt als jede andere: nicht nur, was wir lernen sollen, sondern ob das, was wir lernen, uns überhaupt noch auf das Leben vorbereitet, das vor uns liegt.

Lehrkräftemangel, Digitalisierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz stellen das Bildungssystem selbst vor Herausforderungen, denen es aktuell nicht gewachsen ist. Gleichzeitig verfehlt es zunehmend seinen eigentlichen Auftrag: junge Menschen mit dem Handwerkszeug auszustatten, um als mündige Bürger:innen in dieser Gesellschaft zu bestehen. Das Bildungsangebot reagiert darauf bislang nicht.

Dabei hat Schule das Potenzial, mehr zu sein als Wissensvermittlung: ein Ort, der jungen Menschen in einer durch KI wandelnden Welt Orientierung gibt, durch Fachpersonal, bspw. Schulsozialarbeit und Schulpsychologie, durch echte Berufsorientierung mit Einblicken von außen. Ein Ort, der Demokratie nicht nur lehrt, sondern erfahrbar macht. Und ein Ort, der die Grundlagen sichert, denn die PISA-Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigen einen Reformbedarf, den sich niemand mehr leisten kann wegzureden.

Scheitert Schule an dieser Aufgabe, verliert nicht nur der Einzelne. Es fehlen die Fachkräfte von morgen, es schwächelt eine Demokratie, die auf mündige Bürger:innen angewiesen ist; und es vertieft sich die Kluft zwischen Schüler:innen, deren Elternhaus ausgleichen kann, was die Schule versäumt, und denen, die genau hier auf ein gutes Bildungssystem angewiesen wären.

Deshalb legen wir als Landesschülervertretungen anlässlich der Landtagswahl 2027 diesen Forderungskatalog vor: unsere Vorstellung von einem Bildungssystem, das dieser Zeit gewachsen ist.

Joyce Peters
Landesschüler:innensprecherin
Gemeinschaftsschulen

Jannes Hagemeier
Landesschüler:innensprecher
Berufsbildende Schulen

Eschel Ewert
Landesschüler:innensprecher
Gymnasien

UNSERE FORDERUNGEN

Zukünftige Lerninhalte

Schule soll uns auf ein Leben in einer demokratischen, digitalen und sich stetig wandelnden Gesellschaft vorbereiten. Ob im Umgang mit Geld, in gesundheitlichen Notfällen oder im respektvollen Miteinander: Genau diese Zukunftskompetenzen entscheiden darüber, wie selbstbestimmt und krisenfest wir später zurechtkommen.

Im Schulalltag erleben wir davon oft wenig: Unterricht bleibt vor allem auf kurzfristig abprüfbares Wissen für Klassenarbeiten und Prüfungen ausgerichtet, während viele Inhalte lebensfern, veraltet oder rein theoretisch wirken. Themen wie Medienkompetenz, Finanzbildung, Erste Hilfe oder psychische Gesundheit kommen im Stundenplan kaum vor – wer sie nicht im Elternhaus mitbekommt, geht leer aus.

Viele von uns verlassen die Schule, ohne eine Gehaltsabrechnung zu verstehen, im Notfall helfen zu können oder Konflikte ohne Eskalation zu lösen. Enge Lehrpläne und starke Prüfungsorientierung lassen zudem kaum Raum für eigenständiges, praxisnahes und interessengeleitetes Lernen.

Konkret bedeutet das:

01 Mehr Raum für aktuelle gesellschaftliche und politische Themen:

Medienkompetenz, politische Bildung sowie der Umgang mit sozialen Netzwerken und Desinformation müssen stärker im Unterricht verankert werden.

02 Alltags- und Verbraucherkompetenzen verbindlich verankern:

Finanzbildung, Ernährungslehre, Verbraucher:innenrechte, Berufsorientierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz sollten fester Bestandteil schulischer Bildung sein, ohne zur Lobbyarbeit einzelner Branchen zu werden.

03 Verpflichtende, schulfinanzierte Erste-Hilfe-Kurse einführen:

In Sekundarstufe I und II, in der Oberstufe mit den Anforderungen der Führerschein-Ausbildung und Abschluss mit Zertifikat.

04 Aufklärung über psychische und sexuelle Gesundheit fest im Lehrplan verankern:

Damit Warnsignale frühzeitig erkannt und Themen wie Verhütung und sexuelle Vielfalt altersgerecht durch Expert:innen vermittelt werden.

05 Projektorientiertes, selbstständiges und soziales Lernen ausbauen:

Praxisnahe, fächerübergreifende Formate und klassenübergreifende Methodik-Workshops stärken Eigenverantwortung, Teamfähigkeit und Selbstdisziplin – Kompetenzorientierung statt Auswendiglernen.

Demokratiebildung

Demokratie ist keine abstrakte Staatsform – sie ist eine Gesellschaftsform, die im Kleinen erlernt und täglich gelebt werden muss. Schule ist der Ort, an dem der Umgang mit Vielfalt, die Akzeptanz verschiedener Identitäten und das Verständnis demokratischer Strukturen grundgelegt werden. Eine zukunftsfähige Gesellschaft braucht mündige Bürger:innen – und die entstehen nur dort, wo Demokratie als wirksames Instrument zur Mitgestaltung erfahren wird.

Aktuell wird Demokratiebildung häufig auf das Fach WiPo reduziert oder als vage Querschnittsaufgabe abgetan, statt sie als gelebten Bestandteil des gesamten Schullebens zu begreifen. Das hat Folgen: Es fehlen verbindliche Räume für die echte Auseinandersetzung mit demokratischen Werten. In wichtigen schulischen Gremien bleibt das Mitbestimmungsrecht von Schüler:innen unzureichend – und wer sich über die SV oder Jugendparlamente engagiert, stößt auf bürokratische Hürden und zu wenig Freistellung.

Demokratiebildung bleibt so Theorie, statt als wirkungsvolle Praxis erlebbar zu sein.

Konkret bedeutet das:

01 Verbindlicher jährlicher Projekttag zu Demokratie und Extremismusprävention für alle Jahrgangsstufen, um über den regulären Unterricht hinaus gezielte Auseinandersetzung mit demokratischen Werten zu schaffen.

02 Fachübergreifende Verankerung von Demokratiebildung in allen Fächern, insbesondere den gesellschaftswissenschaftlichen, damit das Thema nicht länger auf WiPo beschränkt bleibt.

03 Echtes Stimm- und Antragsrecht für Schüler:innen in Fachkonferenzen mit einer Quote von jeweils 25 % für Schüler- und Elternschaft, um Mitbestimmung strukturell abzusichern.

04 Ersetzung der bisherigen „im erforderlichen Umfang“-Regelung (§ 13 SVVO) durch einen verbindlichen Anspruch auf Unterrichtsbefreiung von bis zu 18 Stunden pro Schuljahr für SV-Mitglieder sowie für Delegierte zu Kreis- und Landesschülerparlamenten, damit demokratisches Engagement keine schulischen Nachteile mit sich bringt

05 Aktive schulische Unterstützung der Wahlen zu Kinder- und Jugendbeiräten, etwa durch Informationsangebote und Werbemöglichkeiten direkt am Schulstandort.

Berufsorientierung

Schule soll Schüler:innen nicht nur auf Prüfungen, sondern auch auf ihren weiteren Ausbildungs-, Berufs- und Lebensweg vorbereiten. Eine frühzeitige und vielfältige Berufsorientierung ermöglicht es, eigene Interessen und Stärken zu erkennen. Gerade angesichts des Fachkräfte- und Auszubildendenmangels sowie einer sich wandelnden Arbeitswelt ist es wichtig, Schüler:innen einen möglichst breiten Einblick in die verschiedenen beruflichen Möglichkeiten zu geben.

Aus Sicht vieler Schüler:innen bleibt die Berufsorientierung jedoch zu oberflächlich und zu wenig praxisnah. Häufig fehlen ausreichend Möglichkeiten, unterschiedliche Berufe selbst kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig ist der Zugang zu individueller Beratung nicht immer ausreichend. Gerade am Gymnasium darf nicht der Eindruck entstehen, dass eine akademische Laufbahn grundsätzlich der bessere oder einzig sinnvolle Weg ist. Schüler:innen brauchen stattdessen vielfältige Einblicke, praktische Erfahrungen und individuelle Unterstützung, um selbstbestimmt über ihre Zukunft entscheiden zu können.

Konkret bedeutet das:

01 Verbindliche und praxisnahe Praktika ausbauen:

Während der Schulzeit am Gymnasium sollen mindestens drei zweiwöchige Praktika angeboten und durchgeführt werden. Diese sollen mit einem Abstand von jeweils zwei Jahren stattfinden. Die Praktika sollen mindestens zwei Wochen dauern und nicht durch eine übermäßige Bewertung der Praktikumsberichte zu einer zusätzlichen Prüfungssituation werden.

02 Eine freiwillige Orientierungswoche in Q1 ermöglichen:

Am Ende des Q1-Jahrgangs soll eine durch die Schule festgelegte Woche für praktische Berufsorientierung zur Verfügung stehen. Schüler:innen sollen beispielsweise die Möglichkeit erhalten, in verschiedenen Unternehmen zweitägige Einblicke oder ein „Probearbeiten“ zu absolvieren. In dieser Woche sollen keine Klausuren oder Unterricht mit prüfungsrelevantem Stoff stattfinden, damit die Teilnahme ohne schulische Nachteile möglich ist.

03 Qualität der Berufsorientierung landesweit verbessern:

Lehrkräfte sollen sich in landesweiten Vernetzungsformaten über erprobte Konzepte zur Berufsorientierung austauschen können. Bestehende Qualitätsinitiativen wie das Berufswahl-SIEGEL sollen dabei stärker unterstützt und gefördert werden.

04 Alle Berufs- und Bildungswege gleichwertig vorstellen:

Die Berufsorientierung soll nicht auf bestimmte Abschlüsse oder akademische Laufbahnen beschränkt sein. Schüler:innen sollen unabhängig von ihrem angestrebten Abschluss über die für sie relevanten Berufswege informiert werden. Dabei sollen insbesondere regionale und lokale Unternehmen und Ausbildungsbetriebe stärker eingebunden werden.

Bildungsgerechtigkeit

Der Bildungserfolg hängt nach wie vor stark von Faktoren ab, die Schüler:innen nicht selbst beeinflussen können – dadurch werden bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten nicht nur fortgeführt, sondern teilweise sogar verstärkt. Veraltete Unterrichtsstrukturen und begrenzte Fördermöglichkeiten führen dazu, dass individuelle Bedürfnisse zu wenig berücksichtigt werden.

Schule schafft so keine echten gleichen Ausgangsbedingungen und wird ihrem Anspruch, allen Schüler:innen gleiche Chancen zu ermöglichen, nicht gerecht. Das frustriert nicht nur die Betroffenen selbst, sondern schwächt die gesamte Gesellschaft, weil Potenziale ungenutzt bleiben.

Um Bildungsgerechtigkeit als Grundprinzip umzusetzen, muss Schule aktiv Ungleichheiten ausgleichen und individuelle Förderung in den Mittelpunkt stellen. Ziel ist ein System, in dem alle Schüler:innen unabhängig von ihren Startchancen gleiche Möglichkeiten zur Teilhabe, Förderung und persönlichen Entwicklung erhalten.

Konkret bedeutet das:

01 Eigenständiges, zeitlich offenes, projektartiges und fächerübergreifendes Lernen im eigenen Tempo um individuelle Förderung und Forderung zu ermöglichen und gewohnte Unterrichtsstrukturen zu lockern und intrinsische Motivation zu unterstützen.

02 Kostenlose Nachhilfe- und Förderangebote für alle Schüler:innen solange Schule ihrer Förder Verpflichtung nicht ausreichend nachkommen kann, damit die benötigte Unterstützung schon jetzt zur Verfügung steht.

03 Verpflichtende Eltern-Workshops vor Einschulung, Umschulung und Beginn der 5. Klasse, um Eltern über Fördermöglichkeiten und Ansprechpartner:innen zu informieren und so die Förderung und Entwicklung der Schüler:innen zu unterstützen.

04 Niedrigschwellige und flächendeckende Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung, , etwa im musischen, künstlerischen oder sportlichen Bereich, um Schüler:innen neue Perspektiven aufzuzeigen und wieder Lust aufs Lernen zu machen.

05 Einführung eines kostenlosen Deutschlandtickets nach dem Hamburger Vorbild, da Bildungsgerechtigkeit schon beim Schulweg anfängt und der sozioökonomische Hintergrund des Elternhauses nicht über Mobilität entscheiden darf.

Inklusion

Inklusion ist ein fundamentales Menschenrecht und die Basis für eine gerechte, chancengleiche Schulgemeinschaft. Schule hat den Auftrag, allen Schüler:innen unabhängig von körperlichen, geistigen oder sozialen Voraussetzungen eine uneingeschränkte Teilhabe zu ermöglichen und Vielfalt als Selbstverständlichkeit erfahrbar zu machen.

In der Praxis scheitert die Umsetzung an den Gymnasien jedoch häufig an mangelhaften Rahmenbedingungen. Viele Schulgebäude und Schulhöfe sind bis heute nicht vollständig barrierefrei. Zudem herrscht ein eklatanter Mangel an Fachpersonal für Sonderpädagogik, Schulsozialarbeit und Schulbegleitung. Weil Hilfen oft vom Wohnort abhängen und bürokratische Hürden hoch sind, fehlt es im Alltag an der notwendigen Zeit und Verlässlichkeit für individuelle Förderung.

Konkret bedeutet das:

01 Modellvorhaben zu multiprofessionellen Teams flächendeckend ausweiten, damit die Unterstützung durch Sonderpädagogik, Schulpsychologie und Schulbegleitung verlässlich an allen Schulen ankommt und nicht vom Wohnort oder langwierigen Evaluationen abhängt.

02 Barrierefreiheit in Gebäuden und auf Schulhöfen konsequent umsetzen indem Rampen, Fahrstühle, barrierefreie Sanitäranlagen sowie Zugänge zu Lern- und Ruheräumen landesweit und zügig geschaffen werden.

03 Sonderpädagogische Kompetenzen in der Lehrkräftebildung verankern damit inklusive Didaktik, Binnendifferenzierung und der Umgang mit Heterogenität zum festen Bestandteil aller Phasen der Aus- und Fortbildung werden.

04 Nachteilsausgleiche unbürokratisch und zügig vergeben um betroffenen Schüler:innen ohne Stigmatisierung die erforderlichen Hilfestellungen im Unterricht und bei Prüfungen zu gewähren.

Mentale Gesundheit

Wir stecken in einer Krise der mentalen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern. Klimawandel, politische Unsicherheit, wirtschaftliche Ungleichheit und die anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie belasten uns als Generation in einem Ausmaß, das politisch bisher kaum anerkannt wird.

Gleichzeitig wird erwartet, unter zunehmend schwierigen Bedingungen dauerhaft Höchstleistungen zu erbringen. Unterrichtsausfall, Leistungsdruck, Nachmittagsunterricht und eine hohe Prüfungsbelastung gehören für viele zum Schulalltag. Zeit für Erholung und mentale Regeneration bleibt dabei häufig auf der Strecke. Diese Entwicklungen dürfen nicht länger als individuelles Problem einzelner Schülerinnen und Schüler betrachtet werden.

Dieses strukturelle Missverhältnis zwischen hohen Anforderungen und unzureichender Unterstützung ist kein individuelles Versagen einzelner Schülerinnen und Schüler. Es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, die über Jahre hinweg auf Kosten der mentalen Gesundheit einer ganzen Generation getroffen wurden.

Konkret bedeutet das:

01 Ausbau der Schulpsychologie auf das empfohlene Verhältnis von 1:1000 – inklusive Entfristung aller Stellen und verbindlicher Zwischenschritte, solange dieses Ziel nicht erreicht ist.

02 Flächendeckende Schulsozialarbeit mit einem verbindlichen Betreuungsschlüssel von 1:150, dauerhaft durch das Land finanziert – nicht länger als freiwilliges Angebot einzelner Schulträger. Die Schulsozialarbeit muss dabei ausreichend personell ausgestattet sein, um neben der Krisenintervention auch präventiv arbeiten zu können.

03 Verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte

zum Umgang mit psychischen Belastungen von Schüler:innen – mindestens einmal jährlich, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

04 Einrichtung von Ruheräumen an jeder Schule, die Schüler:innen niedrigschwellig und ohne Anmeldung zur Entspannung im Schulalltag nutzen können.

05 Regelmäßige Workshops zur Stressbewältigung fest im Schuljahr verankert, von externen Fachkräften durchgeführt und gezielt auf schulische Belastungssituationen wie Klausurenphasen ausgerichtet.

Leistungsbewertung

Leistungsbewertung soll Lernfortschritt sichtbar machen, Orientierung geben und Leistungen nachvollziehbar abbilden. In der Realität erleben Schülerinnen und Schüler jedoch häufig eine intransparente Notengebung.

Gleiche Leistungen können je nach Lehrkraft unterschiedlich bewertet werden, während individuelle Fähigkeiten, Lernfortschritte und unterschiedliche Stärken durch eine einzelne Zahl nur unzureichend dargestellt werden.

Konkret bedeutet das:

01 Feedback zu jeder Bewertung:

Jede Leistungsbewertung soll durch eine kurze, nachvollziehbare Begründung oder ein Feedback ergänzt werden. Dabei soll nicht nur aufgezeigt werden, was falsch war, sondern auch, wo persönliche Stärken lagen und wie sich die Leistung konkret verbessern lässt.

02 Recht auf Besprechung von Bewertungen:

Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, Bewertungen und Zeugnisnoten vor ihrer endgültigen Festlegung mit der jeweiligen Lehrkraft zu besprechen und Rückfragen zur Bewertung zu stellen.

03 Weniger Abhängigkeit von Einzelnoten:

Leistungsbewertung soll ein möglichst umfassendes Bild der tatsächlichen Fähigkeiten einer Person vermitteln. Deshalb sollen verschiedene Formen von Leistungsnachweisen ermöglicht und nicht einzelne Prüfungen unverhältnismäßig stark gewichtet werden.

04 Würdigung gesellschaftlichen Engagements:

Außergewöhnliches ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement von Schülerinnen und Schüler soll unabhängig von der Fachnote sichtbar gemacht und beispielsweise durch einen entsprechenden Vermerk im Zeugnis gewürdigt werden.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit gehört zu den wichtigsten Zukunftsfragen unserer Zeit. Schule muss deshalb nicht nur Wissen über Klima- und Umweltschutz vermitteln, sondern Schüler:innen auch dabei unterstützen, nachhaltiges Denken und Handeln selbstverständlich in ihren Alltag zu integrieren.

Im Schulalltag zeigt sich jedoch, dass Nachhaltigkeit häufig nur kurzzeitig und oberflächlich behandelt wird – meist in einzelnen Unterrichtsstunden oder Projekttagen, ohne langfristige Verankerung im Schulleben.

Dadurch bleibt das Thema oft theoretisch und hat wenig Bezug zum eigenen Alltag. Gleichzeitig fehlt es vielen Schulen an den nötigen Voraussetzungen, um nachhaltig zu handeln: Veraltete Schulgebäude, hoher Energieverbrauch und unnötiger Papierverbrauch prägen den Alltag vieler Schüler:innen, während finanzielle Mittel und moderne Materialien fehlen, um nachhaltige Projekte umzusetzen und Umweltbewusstsein aktiv zu fördern.

Nachhaltigkeit muss stärker und langfristig im Schulalltag verankert werden. Schule soll ein Ort sein, an dem nachhaltiges Handeln nicht nur vermittelt, sondern auch praktisch gelebt wird.

Konkret bedeutet das:

01 Verpflichtende Projekte im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE):

Nachhaltigkeit soll regelmäßig und praxisnah Teil des Unterrichts werden, damit Schüler:innen lernen, Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen. Lehrkräfte sollen dafür gezielt fortgebildet werden.

02 Modernisierung von Schulgebäuden mit nachhaltigem Fokus:

Durch energieeffiziente Sanierungen und die Nutzung erneuerbarer Energien können Schulen Ressourcen sparen und gleichzeitig als Vorbild für klimafreundliches Handeln dienen.

Personelle Ausstattung

Lehrkräfte und Fachpersonal halten die Schulen am Laufen. Sie gestalten den Unterricht, das Schulleben und schließlich das Lernen und übernehmen große Verantwortung. Ebenso wichtig ist Fachpersonal für Schulpsychologie, Schulsozialarbeit, Schulbegleitung, IT und das Sekretariat. Gemeinsam schaffen sie Entlastung für Lehrkräfte und Schüler:innen, die sich so besser auf ihre Kernaufgabe, das Lehren und Lernen, konzentrieren können.

Aktuell herrscht jedoch Notstand an den Schulen. Immer mehr Unterricht fällt aufgrund des Lehrkräftemangels aus, teilweise für ganze Schuljahre. Weil Stellen für Schulpsychologie, Schulsozialarbeit, IT und Sekretariat unbesetzt bleiben, übernehmen Lehrkräfte zusätzlich zum Unterrichten die psychsich-soziale Betreuung von Schüler:innen, Verwaltungsaufgaben und kümmern sich um technische Probleme, für die es eigentlich Fachpersonal bräuchte. Auch die Schulbegleitung für Schüler:innen mit Unterstützungsbedarf ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich organisiert und oft nicht verlässlich verfügbar – Zeit und Sicherheit, die an anderer Stelle für Vorbereitung, individuelle Förderung und echte Inklusion fehlen.

Konkret bedeutet das:

01 Planstellen ausbauen, damit die Unterrichtsversorgung auch bei Ausfällen gesichert bleibt und ausfallende Lehrkräfte vertreten werden können.

02 Frühen Kontakt mit Schüler:innen im Lehramtsstudium etablieren, damit die pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte gestärkt wird.

03 Bestehende Stellen für IT- und Verwaltungspersonal konsequent mit qualifizierten Fachkräften besetzen, statt sie unbesetzt zu lassen und die Aufgaben faktisch bei den Lehrkräften zu belassen.

Verbesserung der schulischen Infrastruktur

Schule ist ein zentraler Lebens- und Lernort für Schülerinnen und Schüler. Die Rahmenbedingungen des Lernens entscheiden dabei maßgeblich über ihren Erfolg: Nur wer sich in einer sicheren, wohltuenden und gut ausgestatteten Umgebung aufhält, kann sein Potenzial entfalten und sich konzentriert dem Lernen widmen. Eine moderne und gut ausgestattete Schule schafft deshalb nicht nur bessere Lernbedingungen, sondern ermöglicht auch die gleichberechtigte Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler am schulischen Leben.

Trotzdem befinden sich viele Schulgebäude und Schulhöfe in einem schlechten Zustand. Schulgebäude sind marode und renovierungsbedürftig, den Schulträgern fehlt jedoch das Geld, weshalb Renovierungen und Neubauten oft jahrelang aufgeschoben werden. Aufgrund von Raummangel fehlt es zudem an Räumen für nicht-unterrichtliche Zwecke, wie SV-Räume oder Arbeitsgruppen. Sanitäranlagen sind mitunter stark verunreinigt, und auch Hygieneartikel sind nicht flächendeckend verfügbar.

Konkret bedeutet das:

01 Schulträger finanziell beim Schulbau unterstützen:

Da Schulträger die Kosten für Renovierung und Neubau der Schulgebäude nicht allein stemmen können, muss das Land sie dabei finanziell unterstützen.

02 Sanitäre Anlagen modernisieren:

Die Toiletten sollen modernisiert, regelmäßig gereinigt und dauerhaft funktionsfähig gehalten werden. Zudem sollen genderneutrale Toiletten geschaffen werden.

03 Hygieneartikel an allen Schulen bereitstellen:

Schultoiletten sollen grundlegend mit Hygieneartikeln ausgestattet werden, speziell unter anderem auch für die Periode.

04 Mehr Lern-, Arbeits- und Aufenthaltsräume schaffen:

Es sollen zusätzliche Räume eingerichtet werden, die Schülerinnen und Schüler zum Lernen, Arbeiten und Erholen nutzen können. Auch den Schüler:innenvertretungen sollen eigene Räume zur Verfügung stehen, damit Partizipation gelingen kann.

05 Schulhöfe und Aufenthaltsbereiche verbessern:

Im Schulgebäude und auf dem Schulhof sollen mehr Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen werden. Schulhöfe sollen saniert und attraktiver gestaltet werden.

06 Barrierefreiheit als Grundsatz sicherstellen:

Schulgebäude, Schulhöfe, Aufenthaltsbereiche, sanitäre Anlagen und die schulische Infrastruktur insgesamt sollen so gestaltet sein, dass alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von individuellen Einschränkungen gleichberechtigt am schulischen Leben teilnehmen können.

07 Anbindung von Schulen an den öffentlichen Nahverkehr verbessern:

Die Bus- und Bahnverbindungen zu den Schulen sollen verbessert und zuverlässiger gestaltet werden.

Digitales

Digitale Technologien sind längst Teil des schulischen Alltags und prägen auch die Lebenswelt von Schüler:innen. Schule muss deshalb die Voraussetzungen schaffen, damit digitale Werkzeuge sinnvoll, sicher und zeitgemäß für das Lernen eingesetzt werden können. Dazu gehören sowohl eine funktionierende digitale Infrastruktur als auch der Zugang zu digitalen Lernmaterialien und ein kompetenter Umgang mit digitalen Medien.

In der Realität ist die digitale Ausstattung an Schulen jedoch noch nicht überall ausreichend. Gleichzeitig werden digitale Möglichkeiten im Unterricht nicht immer systematisch genutzt. Auch bei Schulbüchern fehlt teilweise der Zugang zu digitalen Lizenzen. Dadurch bleiben digitale Lernmöglichkeiten hinter ihren Möglichkeiten zurück und die Digitalisierung wird nicht konsequent als Bestandteil modernen Unterrichts genutzt.

Konkret bedeutet das:

01 Digitale Infrastruktur an Schulen gezielt ausbauen:

Schulen sollen mit einer zeitgemäßen digitalen Infrastruktur ausgestattet werden, damit digitale Werkzeuge im Unterricht zuverlässig eingesetzt werden können. Dazu gehört auch ein stabiles Internet in allen Schulgebäuden.

02 Digitale Lizenzen für Schulbücher verpflichtend bereitstellen:

Neben herkömmlichen Schulbüchern sollen auch digitale Lizenzen zur Verfügung stehen, um Schüler:innen einen zeitgemäßen Zugang zu Lernmaterialien zu ermöglichen.

03 Digitalisierung ressourcenschonend nutzen:

Digitale Lernmaterialien sollen gezielt eingesetzt werden, um unter anderem den Papierverbrauch zu reduzieren und gleichzeitig einen zeitgemäßen Unterricht zu ermöglichen.